{"id":1121,"date":"2011-10-23T11:55:27","date_gmt":"2011-10-23T09:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?p=1121"},"modified":"2012-10-24T07:32:44","modified_gmt":"2012-10-24T05:32:44","slug":"malaysia-hautnah-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2011\/10\/malaysia-hautnah-2\/","title":{"rendered":"Malaysia hautnah"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1845-1024x683.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1128\" title=\"Stelzensiedlung\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1845-1024x683-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Wie wir zu Alfreds Hausg\u00e4sten wurden habe ich ja bereits <a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2011\/10\/ein-fischer-namens-alfred\/\">erz\u00e4hlt<\/a>. Die n\u00e4chsten Tage waren gef\u00fcllt mit malaiischem Chaos, gro\u00dfer Herzlichkeit unseres Gastgebers, unglaublichen Geschichten \u00fcber die sozialen Mi\u00dfst\u00e4nde in Malaysia und vor allem dem hautnahen Erleben wie Fischerfamilien ihren Alltag verbringen.<\/p>\n<p>Alfred ist geb\u00fcrtiger Filipino, hat als Elektroingenieur in verschiedenen vor allem arabischen L\u00e4ndern gearbeitet, und lebt nun seit einigen Jahren in Sandakan, wo er auch Familie hat. Dort lebt er nun ganz einfach, als Fischer, und scheint gl\u00fccklich mit seinem Lebensstil. Die Leute, die wie Alfred in der Stelzensiedlung wohnen, sind wie eine gro\u00dfe Familie. Die Holzh\u00e4user stehen offen, Leute gehen bei den Nachbarn ein und aus als ob es ihr eigenes Haus w\u00e4re.<!--more--> In Alfred&#8217;s Haus war sowieso immer viel los, da er jedes der sechs<a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1952-683x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1129\" title=\"Alfred mit seinen Krebsen\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1952-683x1024-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a> Zimmer an eine andere Familie untervermietet hatte. Aber nicht nur H\u00e4user werden hier als gemeinschaftliches Gut gesehen. Eines Morgens suchte ich meine Flipflops, aber sie waren in dem Stapel von Sandalen vor der T\u00fcr unauffindbar. Also erstmal barfu\u00df den Steg entlang, und prompt kam nach ein paar Minuten jemand angeradelt der meine Schuhe anhatte. Anscheinend nimmt sich hier eben jeder vom &#8222;Gemeinschaftsstapel&#8220; was er grade braucht.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig war f\u00fcr uns, dass viele der Leute in der Stelzensiedlung nicht arbeiten. Den ganzen Tag h\u00e4ngen sie auf den Stegen vor ihren H\u00e4usern rum, schlafen, angeln&#8230; Alfred erz\u00e4hlte uns dass die meisten von ihnen Malaien sind, die Sozialhilfe vom Staat bekommen. Zusammen mit den Fischen, die sie sich fangen wenn sie Hunger haben, reicht ihnen das zum \u00dcberleben. Wieso also arbeiten?<\/p>\n<p>&#8218;Von der Hand in den Mund leben&#8216; bekam hier eine neue Bedeutung. In Alfreds K\u00fcche war ein Loch im Holzboden. Abends sa\u00dfen die Hausbewohner drumrum, h\u00e4ngten eine Schnur mit Angelhaken ins Wasser, und zogen Minuten sp\u00e4ter ihr Abendessen durch das Loch in die K\u00fcche. Auch wir kamen des \u00f6fteren in den Genuss von solch fangfrischem Fisch, oder auch Krebse, die Alfred f\u00fcr uns gefangen hatte. Es gab drei verschiedene Arten &#8211; Sandkrebse, Mangrovenkrebse und Meereskrebse. Die armen Dinger wurden lebendig in den Topf gestapelt und auf den Herd gestellt. Und ich dachte immer es w\u00e4re grausam Krebse lebend ins kochende Wasser zu werfen. Trotz ihres f\u00fcrchterlichen Todes waren die Krebse aber extrem lecker, und dank Einweisung von den Einheimischen wissen wir jetzt auch endlich wie man Krebse richtig isst.<\/p>\n<div style=\"padding: 0; overflow: hidden; margin: 0; width: 680px;\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1963-1024x683.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1123\" title=\"Vorher...\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1963-1024x683-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1966-1024x683.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1124\" title=\"... nachher\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1966-1024x683-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><\/div>\n<p>Neben den ganzen Krebsen und Fischen, die in verschiedenen Reusen rund um das Stelzenhaus im Wasser baumelten, hielt Alfred sich einige weitere &#8218;Haustiere&#8216;. Zwei Katzen, die M\u00e4usen und Ratten den Garaus machen sollten, und zwei Echsen. Diese Reptilien hatte er in der Wildnis gefangen und zog sie jetzt in einem Terrarium gro\u00df. Er erz\u00e4hlte uns von einem K\u00e4ufer aus Singapur, den er schon an der Hand hatte, der ihm f\u00fcr den ausgewachsenen Leguan\u00a0eine Unsumme zahlen w\u00fcrde &#8211; das Blut des\u00a0Leguans wirke laut traditioneller Chinesischer Medizin Wunder gegen Krebs. Illegale Gesch\u00e4fte sind uns hier noch \u00f6fter begegnet. Zum Beispiel als wir mit Alfred \u00fcber den Markt in Sandakan schlenderten und uns unter der Hand Schildkr\u00f6teneier angeboten wurden &#8211; ebenfalls illegal, aber offensichtlich leider \u00fcblich.<\/p>\n<p>Ein anderes riesiges Problem, nicht nur in dieser Stelzensiedlung, ist die M\u00fcll- und Abwasserbeseitigung. Brauchwasser geht alles direkt ins Meer, ebenso der Abfall, egal ob Bananenschalen oder Plastikt\u00fcten. Die Leute haben die Einstellung &#8218;Alles kommt aus dem Meer, und alles geht wieder ins Meer&#8216;. Leider funktioniert das im Plastikzeitalter nicht mehr, aber verstanden hat das hier noch niemand und umdenken ist zu anstrengend. Als wir unseren M\u00fcll bis zu den Tonnen an der Haupstrasse tragen, statt ihn bequem einfach unter uns ins Meer zu werfen, werden wir von den Einheimischen bel\u00e4chelt. Ebenso ungl\u00e4ubige Gesichter machen die Fischer, als wir uns einmal eine Sch\u00fcssel Salat machen. Das Konzept, dass man Gem\u00fcse auch roh und ohne Fisch essen kann, scheint den Fischern fremd&#8230;<\/p>\n<div style=\"padding: 0; overflow: hidden; margin: 0; width: 680px;\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1993-683x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1125\" title=\"Luftballons\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1993-683x1024-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_2007-683x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1126\" title=\"Quallenspiele\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_2007-683x1024-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1888-683x1024.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1127\" title=\"Ausflug mit Alfred auch die Berhala-Insel\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_1888-683x1024-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><\/div>\n<p>T\u00e4glich sahen wir philippinische Boote und F\u00e4hren vor der K\u00fcste, da Sandakan von den Phillippinen der n\u00e4chste Hafen in Malaysia ist. Weil viele Malaien lieber Sozialhilfe kassieren als schlecht bezahlte Jobs (auf Baustellen, Palm\u00f6lplantagen etc) anzunehmen, gibt es ca. drei Millionen Wanderarbeiter, gesch\u00e4tzte zwei Millionen davon sind illegale Einwanderer. Neben Indonesien kommt ein Gro\u00dfteil dieser illegalen Arbeiter aus den Philippinen. Von Alfred, selbst geb\u00fcrtiger Filipino, bekamen wir jede Menge Geschichten \u00fcber die Schwierigkeiten der Einwanderer mit. So arbeiten viele von ihnen auf Gro\u00dfbaustellen, und laut Alfred kam es nun schon \u00f6fter vor, dass kurz vor Fertigstellung des Projekts eine Razzia stattfindet, und alle illegalen Wanderarbeiter deportiert werden, ohne dass sie einen Cent ihres Lohns gesehen haben. Offensichtlich ist es f\u00fcr die Bautr\u00e4ger billiger die Polizei zu bestechen als die Arbeiter zu bezahlen. Staunend h\u00f6rten wir auch, dass Kinder ohne malaiische Staatsb\u00fcrgerschaft an staatlichen Schulen nicht angenommen werden. Die chinesischen Malaien, die ca. 24% der Bev\u00f6lkerung Malaysias ausmachen, haben sowieso ihre eigenen Schulen, dasselbe gilt f\u00fcr die Malaien indischer Herkunft (7%). F\u00fcr die Kinder der illegalen Wanderarbeiter jedoch scheint kein Platz in der Gesellschaft. Da die Eltern keine Papiere haben, kommen viele der Kinder zu Hause auf die Welt und besitzen somit keine Geburtsurkunde und Papiere, die ihnen Zugang zum malaiischen Schulsystem gew\u00e4hren k\u00f6nnten. Alfred erz\u00e4hlte uns dass es einen Schwarzmarkt f\u00fcr Geburtsurkunden gibt &#8211; echte Urkunden von verstorbenen Kindern werden verkauft. Er meinte das Kind m\u00fcsse eben seinen Namen entsprechend der Urkunde \u00e4ndern, wenigstens k\u00f6nne es dann zur Schule gehen. Vor kurzem hat in der Stelzensiedlung eine katholische Organisation aus den Philippinen eine Schule gebaut, die die Kinder auch ohne Papiere aufnimmt. Auch wenn von Regierungsseite wenig bis nichts unternommen wird um diese sozialen Mi\u00dfst\u00e4nde zu beseitigen, so erm\u00f6glichen solche Projekte den Kindern der Wanderarbeiter wenigstens eine Schulbildung.<\/p>\n<p>Die Tage bei Alfred und den Fischerfamilien waren interessant, witzig, manchmal schockierend. Auf jeden Fall war es Malaysia hautnah.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_2000-1024x683.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1130\" title=\"Angeln mit den Kids\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/IMG_2000-1024x683-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?flattrss_redirect&amp;id=1121&amp;md5=479e8488d10acd393e8ae99064e576a9\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wir zu Alfreds Hausg\u00e4sten wurden habe ich ja bereits erz\u00e4hlt. 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