{"id":200,"date":"2011-06-23T15:05:22","date_gmt":"2011-06-23T13:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?p=200"},"modified":"2012-10-23T06:29:29","modified_gmt":"2012-10-23T04:29:29","slug":"das-haus-am-see","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2011\/06\/das-haus-am-see\/","title":{"rendered":"Das Haus am See"},"content":{"rendered":"<p>Alles ging recht schnell nachdem wir in Irkutsk angekommen waren. Jemand rief uns den Namen der Insel im Baikalsee zu, die unser Ziel war, bot uns einen Preis der unter unseren Erwartungen lag, und schon wurden unsere Rucks\u00e4cke aufs Dach des Minibusses geschn\u00fcrt und wir rauschten mit 12 anderen russischen Mitreisenden Richtung Baikalsee. Die Fahrtgeschwindigkeit musste jedoch schon bald erheblich gedrosselt werden, als die asphaltierte Strasse kurz nach der Abzweigung Richtung See zu Ende war und es \u00fcber eine holprige Sandpiste weiterging. Was uns zus\u00e4tzlich verlangsamte war, dass einige der Mitreisenden sowie der Fahrer selbst unterwegs private Gesch\u00e4fte t\u00e4tigten, und so holten wir in einem sibirischen Dorf einen Eimer Farbe ab, im n\u00e4chsten fuhren wir Slalom um die K\u00fche um eine Rolle Linoleum zu kaufen etc. Irgendwann ca 5h sp\u00e4ter erhaschten wir endlich den ersten Blick auf den Baikalsee &#8211; tiefblau lag er vor uns. Eine kleine F\u00e4hre brachte uns auf die Insel Olchon, und nochmal gut durchgesch\u00fcttelt auf den Schotterstrassen der Insel erreichten wir das Dorf Chushir.<br \/>\nZun\u00e4chst checkten wir im gr\u00f6ssten (und einzigen) G\u00e4stehaus ein, und trafen dort zum ersten Mal seit wir Moskau hinter uns gelassen hatten wieder ausl\u00e4ndische Touristen, und beim Abendessen wurden die Geschichten ausgetauscht, die jeder auf den letzten 5000 Schienenkilometern erlebt hatte&#8230; <\/p>\n<p>Im Minibus hatten wir Denis kennengelernt, der etwas Deutsch sprach und uns ein G\u00e4stezimmer in seinem Haus vermietete. Angetan von der M\u00f6glichkeit, bei einer sibirischen Familie unterzukommen, wechselten wir nach zwei Tagen unser Quartier und verbrachten den Rest der Woche im einem kleinen Holzh\u00e4uschen im Innenhof des Familienanwesens. <\/p>\n<p>Die Insel Olchon ist als gr\u00f6\u00dfte Insel im Baikalsee zwar seit ein paar Jahren ans Stromnetz angeschlossen, aber dennoch glich die Infrastruktur der eines Entwicklungslands. Es gibt keine aspaltierten Stra\u00dfen, die H\u00e4user sind einfache Holzh\u00e4uschen mit Plumpsklos im Garten. Es gibt kein flie\u00dfendes Wasser, kein Abwassersystem und auch keine L\u00f6sung was mit dem M\u00fcll passiert (wie wir auf unserer Fahrradtour gesehen haben wirft man bisher einfach alles in den Wald). Tourismus ist bisher nur in Ans\u00e4tzen vorhanden, aber scheint der Wirtschaftsszweig zu sein auf den die meisten Inselbewohner setzen: \u00dcberall h\u00e4mmerte und s\u00e4gte es, jeder schien in seinem G\u00e4rtchen grade eine Holzh\u00fctte zu bauen und Betten zu zimmern, um sich ein paar Rubel mit der Vermietung als G\u00e4stezimmer dazuzuverdienen.<br \/>\nDie Hauptbesch\u00e4ftigung scheint Fischen zu sein, oder Minibusfahrer nach Irkutsk&#8230; Wir waren \u00fcberrascht wie wenig Landwirtschaft betrieben wird   &#8211; alles was wir sahen waren ein paar scheinbar wild grasende K\u00fche und Pferde. Das Leben scheint einfach und doch gleichzeitig so kompliziert. Man holt sich Milch von Nachbars Kuh, w\u00e4scht sich im Freien \u00fcber seiner Waschsch\u00fcssel, baut an seinem Holzhaus weiter, und versucht sich eine grossen Holzvorrat f\u00fcr den Winter zuzulegen. Im Sommer verbindet die F\u00e4hre die Insel mit dem Festland, im Winter kann man mit dem Auto (wenn man denn eins hat) \u00fcbers Eis fahren. Im Fr\u00fchjahr und Herbst, wenn das Eis zu d\u00fcnn f\u00fcr die Autos und zu dick f\u00fcr die F\u00e4hre ist, sitzt man fest. Dann hilft nur noch, Tiersch\u00e4del, Wodkaflaschen oder ein paar Rubel an einem der \u00fcberall auf Olchon stehenden Schamanenpf\u00e4hlen zu opfern und auf bessere Zeiten zu hoffen. <\/p>\n<p>F\u00fcr uns als Besucher der Insel war das geruhsame Leben im Dorf, die menschenleeren Landschaften und die Ruhe, die der riesige Baikalsee ausstrahlte, aber genau richtig. Wir verbrachten eine wunderbar entspannte Woche. Eine Jeeptour f\u00fchrte uns \u00fcber abenteuerliche &#8222;Strassen&#8220; zur Nordspitze der Insel (Kap Choboi) und gigantischen Felsformationen. An einem anderen Tag liehen wir uns Mountainbikes aus und \u00fcberquerten auf eigene Faust die Insel: eine Tour \u00fcber Stock und Stein und bei der etliche H\u00f6henmeter \u00fcberwunden werden mussten, aber das Picknick mit ger\u00e4uchertem Omul (eine im Baikal heimische Lachsart) an einem einsamen Strand auf der anderen Inselseite, bei dem wir Robben beobachten konnten, war fast schon magisch.<br \/>\nZwischen den Outdooraktivit\u00e4ten blieben genug Tage zum Auspannen, zum Lesen und Tr\u00e4umen auf Felsvorspr\u00fcngen hoch \u00fcber dem See, oder um sich in der holzbefeuerten &#8222;Banja&#8220;, der russischen Version einer Sauna, wieder aufzuw\u00e4rmen von einem Bad im eiskalten Baikal.<br \/>\nNun sind wir wieder zur\u00fcckgekehrt in die Zivilisation, der R\u00fcckweg nach Irkutsk diesmal nur unterbrochen von einem platten Reifen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080021.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080021.jpg\" alt=\"20110623-080021.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080059.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080059.jpg\" alt=\"20110623-080059.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080133.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080133.jpg\" alt=\"20110623-080133.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080151.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080151.jpg\" alt=\"20110623-080151.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080207.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080207.jpg\" alt=\"20110623-080207.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080221.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/20110623-080221.jpg\" alt=\"20110623-080221.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?flattrss_redirect&amp;id=200&amp;md5=fc5af0c945c61ca04c53e0abdcd2fb9a\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles ging recht schnell nachdem wir in Irkutsk angekommen waren. 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