{"id":2048,"date":"2012-02-02T17:54:41","date_gmt":"2012-02-02T16:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?p=2048"},"modified":"2012-11-19T23:33:24","modified_gmt":"2012-11-19T22:33:24","slug":"myanmar-eine-kurzgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/","title":{"rendered":"Myanmar &#8211; eine Kurzgeschichte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0113-2-782x520\/\" rel=\"attachment wp-att-2128\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2128\" title=\"Willkommen in Myanmar\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0113-2-782x520-320x212.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"212\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0113-2-782x520-320x212.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0113-2-782x520-664x441.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0113-2-782x520.jpg 782w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a>Auf den Inseln im S\u00fcden Thailands vergingen die Tage wie im Flug, und ehe wir uns versahen, war unser 15-Tage-Visum abgelaufen. Die n\u00e4chstgelegene Grenze war die zu Myanmar, also fuhren wir dorthin f\u00fcr einen sogenannten Visa-Run, sprich kurz ausreisen und wieder einreisen, um einen neuen Visumsstempel zu bekommen. Unser Gep\u00e4ck liessen wir in Khao Lak, von wo wir in ein paar Tagen aus Tauchen gehen wollten, und machten uns nur mit einem kleinen Rucksack auf nach Myanmar: Zuerst mit dem Bus einige Stunden bis in die thail\u00e4ndische Grenzstadt Ranong. Mehrfach passierten wir auf dieser Strecke Checkpoints, und bewaffnete Soldaten der thail\u00e4ndischen Armee schritten durch den Bus und kontrollierten scheinbar zuf\u00e4llig P\u00e4sse. Von uns zwei Ausl\u00e4ndern in der letzten Reihe wollte jedoch niemand was. In Ranong am Pier holten wir uns den Ausreisestempel von den Thai, und stiegen in eines der traditionellen Longtail-Boote, dass wir schon von den ganzen Inseln kannten. Mit dem \u00fcblichen ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm, den die billigen Rasenm\u00e4hermotoren dieser Boote produzieren, \u00fcberquerten wir das riesige Flussdelta. <!--more-->Unterwegs kamen wir an mehren Flussinselchen vorbei, auf denen jeweils ein morsches Stelzenhaus stand, in dem wahlweise der thail\u00e4ndische Zoll oder die burmesische Einwanderungsbeh\u00f6rde untergebracht sind. An jedem H\u00e4uschen hielt unser Kapit\u00e4n an, kletterte mit unseren P\u00e4ssen kurz in das Stelzenhaus, und weiter ging die Reise. Die goldenen Stupas, die \u00fcberall auf der birmesischen Seite auf den H\u00fcgeln standen, wurden immer gr\u00f6\u00dfer, und schlie\u00dflich erreichte das Boot den improvisierten Hafen von Kaw Thaung. Nun mussten wir uns noch den offiziellen Einreisestempel holen. Der freundliche aber strenge Beamte teilt uns mit, dass wir eine Kopie von unserem Pass brauchen. Also erstmal los zu einem Copyshop, dann zur\u00fcck zum Einwanderungsmenschen. Jetzt ist er zufrieden, kassiert die 10 US Dollar ab, die man in unversehrten und nicht gefalteten Dollarscheinen als Einreisegeb\u00fchr bezahlen muss, und nimmt uns unsere P\u00e4sse ab. Wie jetzt, frage ich entgeistert. Wir sollen unsere P\u00e4sse hierlassen? Das w\u00fcrde immer so gemacht, und wir k\u00f6nnten sie wieder abholen wenn wir ausreisen, ist seine schlichte Antwort, die weitere Diskussion verbietet, und die P\u00e4sse verschwinden in seinem verstaubten Holzschreibtisch. Davor wurden sie allerdings hochmodern abgescannt<a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0055-1024x683\/\" rel=\"attachment wp-att-2123\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2123\" title=\"Unsere Einreiseerlaubnis als Passersatz\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0055-1024x683-320x213.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0055-1024x683-320x213.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0055-1024x683-664x442.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0055-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a> und unsere Daten in ein kleines Heftchen gedruckt, dass wir statt der P\u00e4sse ausgeh\u00e4ndigt bekommen. Darin steht dass wir uns nicht weiter als 5km von der Grenze entfernen d\u00fcrfen. Also gut, bewaffnet mit unserer Einreiseerlaubnis und in der guten Hoffnung unsere P\u00e4sse morgen wiederzusehen, treten wir aus dem Schuppen der Grenzer und ein nach Myanmar. Wir haben beschlossen wenigstens eine Nacht hierzubleiben, um den 5km Umkreis, der uns erlaubt ist, zu erkunden, anstatt gleich wieder kehrtzumachen Richtung Thailand.<\/p>\n<p>Das erste was auff\u00e4llt, ist das es in diesem Fischerort im Grunde keine Autos gibt. Der Verkehr besteht nur aus Motor- oder Fahrr\u00e4dern. An jeder Ecke sitzen oder stehen uniformierte Milit\u00e4rs oder Polizisten, was wahrscheinlich an der Grenzn\u00e4he liegt. Trotzdem hatte ich anf\u00e4nglich ein seltsames Gef\u00fchl, beobachtet zu werden, und traute mich kaum ein Foto von irgendetwas zu machen. Die Unterkunftssuche gestaltete sich extrem einfach. Es gibt nur drei Hotels in der Stadt in dem Ausl\u00e4nder \u00fcbernachten d\u00fcrfen. Wir w\u00e4hlten das g\u00fcnstigste der drei und bekamen daf\u00fcr ein sch\u00e4biges Zimmer, das uns an manche Unterkunft in Russland erinnerte. Der Inhaber klopfte noch dreimal an die T\u00fcr, jedesmal mit einem anderen Formular das wir unterschreiben mussten, Kopien von unseren Einreiseheftchen wurden gemacht, dann war endlich das Ende der b\u00fcrokratischen Fahnenstange erreicht.<br \/>\nAuf dem Weg durch Kaw Thaung trafen wir auf extrem freundliche und offene Menschen, die zwar meist nicht viel Englisch konnten, aber man wurde \u00fcberall angel\u00e4chelt und interessiert nach unserer Herkunft gefragt. Es verirren sich wohl nicht viele Touristen hierher, die meisten kommen, holen sich Ein- und Ausreisestempel gleichzeitig im Grenzhaus am Hafen und nehmen das gleiche Boot zur\u00fcck. Die H\u00e4user in den Wohngegenden waren aus Holz, standen auf Stelzen (wohl gegen das Ungeziefer, das wir im Halbdunkel \u00fcberall rumspringen sahen) und hatten offene Fenster und Fl\u00fcgelt\u00fcren. Als wir am Abend durch die Strassen und Gassen schlenderten, waren die innen beleuchteten H\u00e4user wie offene Puppenh\u00e4user, in denen wir das d\u00f6rfliche Leben der Birmanen\u00a0beobachten konnten. Auch wenn das Leben hier sehr einfach schien, fiel auf, dass fast in jedem Haus ein Fernseher lief, vor dem immer ein Teil der Gro\u00dffamilie gebannt sa\u00df.<\/p>\n<p>Nachdem wir erfolgreich ein paar thail\u00e4ndische Baht gegen birmesische Kyat auf dem Schwarzmarkt getauscht hatten (25,8 Kyat f\u00fcr einen Baht), reichten uns umgerechnet ein paar Euro zu zweit f\u00fcr unsere zwei Tage in Kaw Thaung, so billig war Essen und Trinken. Man darf nur nicht den Fehler machen und das Geld bei der Bank umtauschen (Geldautomaten gibt es sowieso keine), denn der offizielle Umrechnungskurs ist um ein hundertfaches niedriger: 0,21 Kyat f\u00fcr einen Baht. Auf der Strasse zahlt man aber Schwarzmarktpreise, also braucht man auch Geld zum Schwarzmarktkurs, sonst wird man arm. Eine der vielen Kuriosit\u00e4ten in Myanmar.<\/p>\n<p>Abends fanden wir wir uns in einer der wenigen Bars wieder, um noch ein Myanmar Beer zu trinken. Auch das f\u00fcr ein paar Cent erh\u00e4ltlich. Das spektakul\u00e4re waren aber nicht die Getr\u00e4nkepreise, sondern die Unterhaltung, die uns geboten wurde. Das Ambiente war das einer Schlachthalle, mit hellgr\u00fcnen Fliesen an Wand und Boden, und vorne gab es eine B\u00fchne, auf der minderj\u00e4hrige M\u00e4dchen begleitet von einem Keyboardspieler Songs zum Besten gaben. Wir kamen uns vor wir in einer Vorrunde zu &#8218;Myanmar sucht den Superstar&#8216;. <a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0141-1024x683\/\" rel=\"attachment wp-att-2129\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-2129\" title=\"Unser neuer Freund der Fahrradtaxi-Fahrer\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0141-1024x683-320x213.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0141-1024x683-320x213.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0141-1024x683-664x442.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0141-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0093-1024x682\/\" rel=\"attachment wp-att-2126\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2126\" title=\"Tempelpagode \u00fcber den D\u00e4chern der Stadt\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0093-1024x682-320x213.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0093-1024x682-320x213.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0093-1024x682-664x442.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0093-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0107-1024x683\/\" rel=\"attachment wp-att-2127\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2127\" title=\"Thanaka - traditionelle Gesichtsbemalung in Myanmar\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0107-1024x683-320x213.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0107-1024x683-320x213.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0107-1024x683-664x442.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0107-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a>Die M\u00e4chen standen stocksteif auf der B\u00fchne und sangen recht schr\u00e4g, doch den anderen Besuchern schien es zu gefallen, genauso wie die Tatsache, dass wir auch da waren. Die Tischnachbarn prosteten uns alle paar Minuten begeistert zu und kamen schliesslich an unseren Tisch, eine vern\u00fcnftige Unterhaltung scheiterte jedoch leider an der Tatsache, dass wir keine gemeinsame Sprache hatten und vielleicht auch daran, dass die M\u00e4nner vom Nebentisch offensichtlich schon mehr als ein Bier getrunken hatten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen besuchten wir einen der goldenen Tempel auf einer Bergkuppe \u00fcber der Stadt, schauten M\u00f6nchen bei ihrem allmorgendlichen Einsammeln von Almosen zu, probierten uns durch das Men\u00fc eines kleinen Stra\u00dfenrestaurants und wunderten uns \u00fcber die hellgelbe Farbe, die so viele der Leute, vor allem Frauen und Kinder, hier im Gesicht tragen. Manchmal sah es aus wie schlechtverschmierte Creme, manchmal aber auch eher wie ein gezeichnetes Muster. Als ich einige Leute ansprach und versuchte nach der Bedeutung dieser Gesichtsbemalung zu fragen, bekam ich verschiedene Antworten &#8211; und wie immer war wohl ziemlich viel &#8218;lost in translation&#8216;. Von den einen verstand ich, dass es wohl eine Art gutes Omen sein soll, eine andere Gruppe von M\u00e4nnern erkl\u00e4rte mir mit pantomimischen Gesten, dass es gegen die Sonne sein soll. Zur\u00fcck in Thailand gab mir das allwissende Internet schlie\u00dflich Aufschlu\u00df: es handelt sich um <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thanaka\">Thanaka<\/a>, eine Paste die aus zerm\u00f6rserter Baumrinde hergestellt wird, deren Verwendung\u00a0in Myanmar jahrtausendealte Tradition hat und tats\u00e4chlich als Sonnenschutz aber auch zu kosmetischen Zwecken eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Um viele Eindr\u00fccke reicher holten wir nachmittags unsere P\u00e4sse wieder ab, fuhren mit dem Boot zur\u00fcck nach Thailand und bekamen dort einen neuen Stempel. Schade, dass wir es auf dieser Reise vermutlich nicht l\u00e4nger nach Myanmar schaffen werden &#8211; dieser Kurzausflug hat Lust auf mehr gemacht. Aber wie wir immer wieder feststellen, kann man selbst auf einer so langen Reise nur einen Bruchteil dieser weiten Welt sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2012\/02\/myanmar-eine-kurzgeschichte\/img_0087-1024x683\/\" rel=\"attachment wp-att-2125\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-2125\" title=\"Blick \u00fcber Kaw Thaung\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0087-1024x683-664x442.jpg\" alt=\"\" width=\"664\" height=\"442\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0087-1024x683-664x442.jpg 664w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0087-1024x683-320x213.jpg 320w, http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/IMG_0087-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?flattrss_redirect&amp;id=2048&amp;md5=99f72596c578527141cab38f52b00311\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Inseln im S\u00fcden Thailands vergingen die Tage wie im Flug, und ehe wir uns versahen, war unser 15-Tage-Visum abgelaufen. 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