{"id":852,"date":"2011-09-12T10:23:34","date_gmt":"2011-09-12T08:23:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?p=852"},"modified":"2012-10-24T07:13:21","modified_gmt":"2012-10-24T05:13:21","slug":"muskelkater-vom-buddhismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ruckh.org\/travel\/2011\/09\/muskelkater-vom-buddhismus\/","title":{"rendered":"Muskelkater vom Buddhismus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Baekdamsa-Tempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-870 alignright\" title=\"Baekdamsa Tempel\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Baekdamsa-Tempel-600x400.jpg\" alt=\"\" width=\"397\" height=\"263\" \/><\/a>Der Jogye-Orden, der als gr\u00f6\u00dfter Orden den koreanischen Zen-Buddhismus repr\u00e4sentiert, hat vor einigen Jahren sog. Templestay-Programme ins Leben gerufen, und damit die sonst verschlossenen Tore einiger buddhistischer Kl\u00f6ster ge\u00f6ffnet. Uns f\u00fcr zwei Tage unter M\u00f6nche zu mischen und zu sehen was hinter den Tempelmauern so vor sich geht, erschien uns eine erleuchtende Erfahrung, und so machten wir uns auf zum Tempel Baekdamsa. Idyllisch und abgeschieden im Seoraksan-Nationalpark gelegen, war der Tempel eine Oase der Ruhe. Wir wurden freundlich empfangen und nach einer kurzen Einf\u00fchrung in unsere Gem\u00e4cher gebracht &#8211; getrennte Schlafs\u00e4le f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner, mit traditionellen Yo-Matten auf dem beheizten Fussboden. <a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Tempel-Schlafsaal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-871\" title=\"Schlafsaal\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Tempel-Schlafsaal-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"217\" \/><\/a>Au\u00dfer uns waren nur einige Koreaner zu Gast im Tempel, und von den Frauen in meinem Schlafsaal sprach fast niemand Englisch, so war es ein Leichtes keine lauten Unterhaltungen zu f\u00fchren und sich mehr auf &#8218;Selbstreflektion&#8216; zu konzentrieren. Die Ruhe im Tempel wurde durch nichts gest\u00f6rt, au\u00dfer durch eine Horde Wildschweine, die in der D\u00e4mmerung ihren Weg aus dem Nationalpark zur Klosterk\u00fcche fanden. Da man im Buddhismus jedem Lebewesen mit dem selben Respekt begegnen soll, wurden die Wildschweine von den M\u00f6nchen mit hilflosen Armbewegungen \u00e4u\u00dferst ineffektiv verjagt. Und wir mussten uns den Weg zum Speisesaal mit einem Regenschirm freik\u00e4mpfen &#8211; so ein Wildschwein kann ganz sch\u00f6n angsteinfl\u00f6\u00dfend sein&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Wildschweine-im-Tempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-872\" title=\"Wildschweine im Tempel\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Wildschweine-im-Tempel-600x447.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"447\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum Essen wurde man zu festen Zeiten mit einer Holzglocke gerufen. Man bediente sich schweigend am vegetarischen &#8218;Buffet&#8216;, und wir waren angehalten nur so viel zu nehmen wie man auch essen konnte. Ein Grundsatz buddhistischer M\u00f6nche ist es, kein Essen (nicht ein Reiskorn) zu verschwenden, aus<a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Holzglocke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-873\" title=\"Holzglocke\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Holzglocke-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"284\" height=\"190\" \/><\/a> Achtung vor der Natur und der Arbeit all der Menschen, die es bedurfte das Essen auf den Tisch zu bringen. F\u00fcr uns als Schwaben, die es gewohnt sind den Teller leerzuessen, eine unserer leichtesten buddhistischen \u00dcbungen (auch wenn es etwas schwieriger ist wenn man sich lauter Sachen sch\u00f6pft die man nicht kennt). Manchen Tischnachbarn schien das Konzept &#8218;Teller leer essen&#8216; sichtlich etwas neuer. Nach dem Essen sp\u00fclte jeder sein eigenes Geschirr.<\/p>\n<p>Die Holzglocke, mit der einer der M\u00f6nche die Mahlzeiten ank\u00fcndigt, gibt auch sonst den Takt im Kloster an. So erklangen ihre h\u00f6lzernen Schl\u00e4ge morgens um drei als Wecker. Dann hie\u00df es aufstehen und sich zum Yabul, dem Morgengebet vor Sonnenaufgang, im Haupttempel zu versammeln. Hunderte Miniaturbuddhas mit kleinen L\u00e4mpchen zauberten der riesigen goldenen Buddhastatue in der Mitte einen magischen Schein ins Gesicht, und \u00fcber unseren K\u00f6pfen schwebten dicht an dicht Lotuslaternen aus Papier, an denen unten Zettelchen mit <a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Schuhe-vor-dem-Tempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-874\" title=\"Schuhe vor dem Tempel\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Schuhe-vor-dem-Tempel-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"352\" \/><\/a>Gebeten und W\u00fcnschen von Gl\u00e4ubigen baumelten. Die Schuhe wurden wie fast \u00fcberall in Korea vor Betreten des Geb\u00e4udes ausgezogen, und jeder setzte sich auf eine Gebetsmatte auf den Holzfussboden &#8211; aber erst nachdem man sich dreimal vor Buddha verbeugt hatte. Der Vorbeter-M\u00f6nch stimmte dann die Ges\u00e4nge an, und bestimmte mit dem Schl\u00e4gen auf die Holzglocke den Rhythmus. Wir ahmten einfach die anderen nach &#8211; wann sie sich im Fluss der Sprechges\u00e4nge verbeugten, hinsetzten, wieder aufstanden. Der meditative Charakter dieser fr\u00fchmorgendlichen Zeremonie war auch \u00fcber die sprachlichen Barrieren hinweg zu sp\u00fcren. Verbeugung hei\u00dft \u00fcbrigens sich auf die Matte zu knien, dann mit der Stirn den Boden zu ber\u00fchren, dabei die Handfl\u00e4chen neben dem Kopf zum Himmel heben, dann wieder aufstehen. W\u00e4hrend des Singsangs ist es ein stetiges Aufstehen und Hinknien, und zwischendurch kommt man sich eher vor wie in der Turnhalle als im Tempel. Und nachdem man sich schon unz\u00e4hlige Male erhoben und wieder neu verbeugt hat und so langsam ins Schwitzen kommt, legen die M\u00f6nche erst so richtig los: die klassischen 108 Verbeugungen vor dem Buddha. Man muss anmerken, dass wir uns am Abend zuvor bereits der gleichen Prozedur unterzogen haben, und innerhalb einiger Stunden mehrere Hundert solcher Verbeugungen zu vollf\u00fchren war eine echte Herausforderung.<br \/>\nAm Schluss drehten wir uns alle sitzend zu den weit ge\u00f6ffneten Tempelt\u00fcren hin, mit Blick auf das Kloster, dessen Konturen im Morgengrauen ganz langsam sichtbar wurden (inzwischen war es ca 5 Uhr). Es folgte eine Meditation und anschlie\u00dfend eine Art Dehn\u00fcbungen und sogar ein Teil in dem man sich paarweise die Schulterpartie knetete und die H\u00e4nde massierte. &#8218;Mens sana in corpore sano&#8216; (ein gesunder Geist in einem gesunden K\u00f6rper) scheint hier der Kerngedanke &#8211; f\u00fcr mich eine echte \u00dcberraschung, dass im Tempel nicht nur gebetet sondern auch Gymnastik betrieben wird.<\/p>\n<p>Wir sind in diesen zwei Tagen im Baekdamsa Tempel nicht zu Experten f\u00fcr Buddhismus geworden. Aber es waren interessante und teils unerwartete und am\u00fcsante Einblicke in das Leben buddhistischer M\u00f6nche in Korea. Und der Muskelkater erinnerte uns noch einige Tage sp\u00e4ter daran, wie anstrengend Buddhismus sein kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Im-Tempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-875\" title=\"Im Tempel\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Im-Tempel-600x443.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"443\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Morgengebet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-876\" title=\"Morgengebet\" src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Morgengebet-600x448.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"448\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/?flattrss_redirect&amp;id=852&amp;md5=9df17c217856405f46eafa7c6b0fd2a5\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/ruckh.org\/travel\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Jogye-Orden, der als gr\u00f6\u00dfter Orden den koreanischen Zen-Buddhismus repr\u00e4sentiert, hat vor einigen Jahren sog. 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