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Blühende Geisterstadt

Posted by on 12. Januar 2012

Mzungu, Laowai, Ang mo – als Weisser hat man viele Spitznamen, je nach Land durch das man reist (Wikipedia hat übrigens eine unterhaltsame Liste mit den meisten davon). In Singapur hat man hin und wieder „Gweilo“ gehört – ein ursprünglich kantonesisches Wort das übersetzt sowas wie „Geist“ heisst.

Nach dem Geburtstagswochenende in Malakka, gefolgt unserem zweiten Aufenthalt in der multikulturellen Weltstadt Kuala Lumpur, sind wir in die Bergregion der „Cameron Highlands“ gefahren, genauer in das Dorf Tanah Rata. Eine Stadt voller Geister, wie sich schnell herausstellte. Auf der Dorfstraße hört man eigentlich nur Spanish, Holländisch und Deutsch, in den Läden gibts nur Postkarten und Souvenirs und in den Restaurants wird das Essen ohne Chilli serviert, nicht dass die Touristen sich den Mund verbrennen. Wir wollten eigentlich nach der ersten Nacht wieder gehen, aber die freundlichen Leute in unserem sehr geselligen Berghostel haben uns von ihrer Regenwaldtour überzeugt. So sind wir also einen Tag lang mit dem Jeep, Touristenführer und anderen Geistern durchs Hochland gefahren.

Unser Hauptinteresse galt der Rafflesia, dem Touristen angepriesen als die größte Blume der Welt. Eigentlich handelt es sich bei der bis über einen Meter großen „Blüte“ jedoch um einen pilzartigen Parasiten, der auf einer bestimmten Art von Lianen wächst. Die Knollen brauchen rund ein Jahr zur Entwicklung und blühen nur 3 bis 5 Tage, bevor sie schwarz werden und verderben. Man läuft ihnen also nicht aller Tage über den Weg. So waren in dem Regenwaldgebiet, das unsere Gruppe ansteuerte, auch gleich zwei andere Touristengruppen unterwegs. Eine fast zweistündige Wanderung über schlammige dichte Regenwaldpfade, durch Flüsse und über Bambusbrücken lag zwischen uns und den Blumen. Einigen Touristen war das deutlich zu viel und so wurde die Gruppe immer kleiner. Das erste Drama des Tages ereignete sich dann als wir der Rafflesia schon sehr nahe waren. Die erste Gruppe bewunderte schon die neue Blüte, als wir rund 15 Meter entfernt um eine ältere Blüte herumstanden. Andere Touristen kamen uns begeistert entgegen, als plötzlich unser Führer aufgelöst wiederkam: Der Guide der ersten Gruppe hatte, nachdem die Leute von seiner Tour die berühmte Blüte fotografiert hatten, die unter strengem Naturschutz stehende Pflanze absichtlich zertreten. Dreisterweise hat er es danach abgestritten. Wenn der mal keine bösen Geister weckt.

Zurück am Parkplatz jedenfalls standen sich beide Gruppen nochmal gegenüber und die Touristenführer lieferten sich einen Stand-off – mit lauten Drohungen auf Malaiisch und Macheten in der Hand. Und das kurz bevor wir die „blowpipes“ hätten Probeschiessen sollen – Spuckrohre mit kleinen giftigen Holzpfeilen. Der anschließende Besuch bei der Teeplantage fing verglichen damit sehr langweilig an. Doch dann fing es an stark zu regnen und als hätten die Geister nach mehr Spannung gefragt, versperrte ein Erdrutsch den Rückweg in die Stadt.

Richtige Touristenjeeps allerdings sind ja mit Allrad ausgestattet und mit etwas Anlauf gelang die Flucht. Wir jedenfalls waren froh als wir mit Malaien im Linienbus nach Ipoh saßen – einer Stadt ziemlich abseits der Touristenpfade und frei von Geistern.

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