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Singapur – kosmopolitisch konservativ

Posted by on 6. Januar 2012

2012 fing für uns in Singapur an – auf einer Hausparty, die unsere Freunde Tara und Olivier organisiert hatten. Witzigerweise haben wir die beiden ja schon in Beijing besucht, und inzwischen sind sie nach Singapur umgezogen und haben sich damit ideal auf unserer Reiseroute für einen zweiten Besuch positioniert. Zudem kannten wir in Singapur inzwischen noch jemanden: Hollie, die wir beim Tauchen in Borneo kennengelernt haben, lebt mit ihrem Mann seit einigen Jahren in Singapur, und so war es ein willkommenes Wiedersehen mit gleich mehreren Bekannten.

Singapur war nach mehr als zwei Monaten Reisen in Neuseeland und Australien ein guter Startpunkt um uns wieder an Asien zu gewöhnen. Extrem sauber, organisiert und ordentlich, entsprach Singapur jedem Klischee, dass man von diesem Stadtstaat kennt, und ist so ganz anders als manche andere asiatische Großstadt. Leider aber auch teuer und restriktiv, überall prangen Verbotsschilder. Das Mitnehmen von Durian, einer extrem stinkenden aber in Asien sehr populären Frucht, in die U-Bahn ist strikt untersagt, aufs Füttern der wilden Affen im Park stehen hohe Geldstrafen, und wer es wagt in der U-Bahn oder an Haltestellen etwas zu essen oder trinken, wird mit 500 Singapur Dollar belangt. Zugegebenermaßen sieht man relativ wenig Polizei – die hohen Strafen sollen wohl hauptsächlich präventive Wirkung haben. Und irgendwie funktioniert es ja auch. Es liegt kein Müll in den Straßen, in den U-Bahn-Stationen könnte man vom Boden Essen, wenn Essen denn erlaubt wäre. Trotzdem macht diese Stadt macht den unangenehmen Eindruck als kriminalisiert sie jede Kleinigkeit. Bei schweren Vergehen greift die Justiz in Singapur noch wesentlich härter durch. Auf Drogenhandel und Mord steht die Todesstrafe, für viele andere Vergehen gibt es Stockschläge. Die Kriminalitätsrate ist zwar extrem niedrig, aber dafür ist Singapur laut Amnesty International eines der Länder, die bezogen auf die Einwohnerzahl die meisten Todesurteile verhängen. Allerdings veröffentlichen Länder wie China oder der Iran solche Statistiken gar nicht erst.

Der englische Autor William Gibbson veröffentlichte 1993 in Magazin ‚Wired‘ eine Kurzgeschichte, in der er Singapur als „Disneyland with the death penalty“ beschrieb. Die Regierung verbot daraufhin die Zeitschrift, aber nach unserem Besuch in Singapur würde ich sagen dass ich mich auch 2012 noch in manchen Beobachtungen dieses Artikels wiederfinde – auch wenn sich vieles zum Besseren verändert hat.

Bei den Begegnungen und Gesprächen während unseres Besuchs in Singapur fiel mir noch etwas auf. Hinter der modernen und globalisierten Fassade der Stadt steckt eine sehr konservative Welt, in der vor allem junge Leute irgendwie gefangen sind. Eltern verschiedenster Religions- und ethnischer Zugehörigkeit versuchen Werte durchzusetzen, die nicht mehr in die globalisierte Welt ihrer Kinder passen. Verstärkt wird das ganze dadurch, dass Singapur letztlich nur eine grosse Stadt ist, und die einzelnen Mitglieder dieser Mikro-Gesellschaften sich alle untereinander kennen und dadurch großen sozialen Druck ausüben. Da sind Singapurianer indischer Abstammung, die ihre Töchter am liebsten mit anderen Indern der gleichen kleinen Volksgruppe verheiraten wollen, und sich vor der Nachbarschaft schämen, wenn die Tochter stattdessen einen Ausländer zum Freund hat. Oder die junge Frau chinesischer Herkunft, die zwar mit ihrem Freund schon lange zusammenlebt, aber jedesmal ausziehen muss wenn dessen Eltern aus Indonesien zu Besuch kommen, damit die nichts mitbekommen. Eine gemeinsame Wohnung vor der Hochzeit wäre ja ein Skandal. Eine jüdische Frau erzählte mir von ihren Schwierigkeiten, hier in Singapur, ihrer Heimat, einen Mann zu finden. Er müsse ja schließlich auch jüdisch sein, sonst würde ihre Ehe und die Kinder die daraus hervorgehen nicht von ihrer Gemeinde hier akzeptiert. Aber die Auswahl in der Stadt sei begrenzt, und außerdem sei sie ‚mit der Hälfte verwandt‘. Ich fand es wirklich krass, wie stark der Einfluss und Druck der einzelnen Gesellschaftsgruppen auf ihre Mitglieder ist, und wie wichtig es jedem ist, dazuzugehören und sich deshalb den Regeln zu beugen. Singapur ist zwar ein Schmelztiegel vieler Kulturen, aber irgendwie kocht doch jeder sein eigenes Süppchen.

Die meiste Freiheit in Singapur haben wohl die Zootiere. Im weltbekannten Zoo klettern Orang-Utans über den Köpfen der Besucher, und jede Menge andere Tiere leben in sogenannten offenen Gehegen, also ohne Zäune. Wassergräben, überhängende Felswände oder andere Barrieren trennen die Tiere von den Besuchern, aber manche Tiere leben auch einfach so in den Bäumen, ganz ohne jegliche Abgrenzung. Sie bleiben da, weil sie hier gefüttert werden. Wir waren echt begeistert von diesem riesigen Zoo.

Auch wenn wir manche Dinge in Singapur kritisch sehen, waren es schöne Tage hier. Aber jetzt sind wir auch wieder bereit für die chaotischeren Teile Südostasiens.

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